Viele Aktien-Indizes notieren derzeit auf Rekordniveau, ansonsten bestimmen keine Zinsen und stark steigende Immobilienpreise das Bild. Alles erscheint derzeit teuer, was also tun?

Im September lag die Inflationsrate bei 1,8 %. Bliebe es die nächsten zehn Jahre dabei, sänke die Kaufkraft von bspw. 10.000 Euro ohne Erträge durch Investitionen auf 8.400 Euro. Umso erstaunlicher, dass viele Menschen das scheinbar hinnehmen und ihr Geld bspw. auf Girokonten zinslos lagern. Wenn Sicherheit das Motiv hierfür sein sollte, ist nur eines sicher: die schrittweise Vermögensvernichtung.

Zehnjährige Bundesanleihen werden aktuell mit 0,4 % verzinst. Bei dieser „Rendite“ machen Anleger unter Berücksichtigung der Inflation jährlich ein sicheres Minus von 1,4 %. Bundesanleihen mit kürzeren Laufzeiten rentieren derzeit auch ohne Inflation bereits im Minusbereich. Da sich solche Papiere in relevanten Größenordnungen auch in den Portfolien von Lebensversicherungen und weit verbreiteten Mischfonds befinden, sind auch viele, denen dies nicht bewusst ist, von den oben genannten Minus-Renditen betroffen. Darauf hingewiesen, sind doch viele unangenehm überrascht und wollen es dann auch ändern. Da treten wir Berater dann auf den Plan und geben unseren Kunden zuerst einmal vernünftige Informationen als Entscheidungsgrundlage, bspw. die Antwort auf die Frage, ob man gegenwärtig noch in Aktien investieren kann.

Finanzierungsbedingungen sind günstig wie nie zuvor

Diese Niedrigzinsphase hat auch Vorteile: Die Finanzierungskonditionen für Unternehmen und Immobilieninvestoren sind so günstig wie nie zuvor. Dadurch entsteht bspw. bei Immobilien eine hohe Nachfrage, was wiederum deren Kaufpreise nach oben treibt. Immobilien erfreuen sich seit einigen Jahren bereits außerordentlicher Beliebtheit als Alternative zu schlecht bis gar nicht verzinsten Kapitalanlagen. Es sind aber bereits verschiedentlich Stimmen zu hören, die Tendenzen für eine Immobilienblase in Deutschland sehen.

Steigende Immobilienpreise führen zu höheren Finanzierungssummen. Da die Zinsen kaum weiter sinken können, ist nach Ablauf der Zinsbindung mit höheren Kosten für die Finanzierung zu rechnen. Dadurch reichen unter Umständen die Mieteinnahmen nicht mehr, um Unterhalt sowie Zins und Tilgung zu bedienen. Wenn man solche Risiken nicht von vornherein berücksichtigt, kann am Ende die Belastung zu groß und ein vorzeitiger Immobilienverkauf zu denkbar ungünstigen Bedingungen und mit weiteren Kosten notwendig werden. Es ist sinnvoll, neben Immobilien auch andere Alternativen zu zinsabhängigen Anlagen in Augenschein zu nehmen.

Sind Aktien immer noch attraktiv?

Eine gängige Methode zur Berechnung angemessener Preise für Aktientitel bietet das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Hierbei setzt man den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn eines Unternehmens und ermittelt, wie viele seiner Jahresgewinne ein Unternehmen kostet. In Europa liegt der langfristige Durchschnitt des KGV bei ca. 14; dies entspricht auch dem derzeitigen Niveau. Amerikanische Aktien werden mit einem KGV von ca. 19 derzeit höher bewertet, sind also im Verhältnis zu ihren Dividendenpotentialen und inneren Ertragswerten „teurer“ als europäische Aktien. Wendet man diese Berechnungsmethode auf Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren an, so ergibt sich ein KGV von sagenhaften 2.500, in Worten: Zweitausendfünfhundert. Das ist definitiv sehr teuer. Legt man also diese weit verbreitete Methode zur Wertermittlung von Aktientiteln zu Grunde, lautet die Antwort auf die Frage in der Überschrift dieses Abschnitts „ja“, zumindest soweit es europäische Aktien betrifft.

Rekorde an den Aktienbörsen

Rekorde an Aktienbörsen sorgen für Schlagzeilen. Wenn es eine Weile von Rekord zu Rekord ging, stellt sich regelmäßig die Frage, ob das so weitergehen kann. Ja, es kann so weitergehen. Rekorde an Aktienbörsen sind keine Ausnahmen, sondern die Regel. Das hat mit Wachstum, Umsatz, Gewinn und Inflation zu tun. Unterstellen wir ein volkswirtschaftliches Wachstum von 2 % und eine Inflation von 2 % jährlich, so kann man mittels einfachster Mathematik für den DAX in 20 Jahren ein Niveau von ca. 28.000 Punkten errechnen.

Das aktuelle Marktumfeld ist sehr positiv. Es spricht vieles dafür, dass die Kurszuwächse an den Aktienmärkten noch einige Zeit weitergehen. Es ist viel Kapital vorhanden, das Anlagemöglichkeiten sucht. Da, wie oben beschrieben, Anleihen und Immobilien inzwischen nicht mehr billig sind, bleiben als liquide Renditeanlagen nur vergleichsweise preiswerte Aktien. Entscheidend ist, dass die Risiken in Verbindung mit Aktieninvestitionen bekannt sind und dass eine sinnvolle Diversifizierung berücksichtigt wird.

Ralf Lex

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