Donald Trump ist nicht für vorsichtiges und diplomatisches Vorgehen bekannt. Bei jeder seiner Aktionen fragt man sich, ob und inwieweit seine Berater Einfluss haben auf sein Tun.

So plagt Mr. Trump der Gedanke, dass das große Handelsdefizit der USA nicht gut aussieht und so gar nicht zu seinem „America first“ passt. Daher hat er im Februar dieses Jahres verfügt, dass Zölle auf chinesische Solarzellen und Waschmaschinen erhoben bzw. angehoben werden sollen. Ohne großes Zögern reagierte Präsident Xi Jinping Richtung USA. Er erließ Schutzzölle auf Sorghum, ein Getreide, das vorwiegend für die Produktion von Tiernahrungsmitteln benutzt wird. 2017 exportierten die USA genau dieses Getreide im Wert von einer Milliarde US-Dollar nach China. Die Schutzzölle trafen US-Farmer hart, waren aber noch eine Kleinigkeit gemessen an den gesamten Agrar-Exporten der USA. Wenn die USA trotz der chinesischen und internationalen Kritik bei ihrem „Handelsprotektionismus“ blieben, sei „China bereit, um jeden Preis bis zum Ende zu gehen“, erklärt das Handelsministerium in Peking. Dies sollte als ernsthafter Warnschuss verstanden werden, die Botschaft kam aber wohl nicht an.

China macht nun Ernst. Als Reaktion auf die US-Liste mit Strafzöllen auf mehr als 1300 Importprodukte aus China belegte Peking 106 US-Produktgruppen mit Strafzöllen, darunter Whiskey, Autos, kleinere Flugzeuge – und Sojabohnen. Einigen sich Trump und Xi nicht, treten die Zölle am 22. Mai in Kraft.

Xi Jinping zielte schon Anfang des Jahres auf die amerikanische Agrarindustrie. Das zeigte, wie ernst China die Auseinandersetzung nimmt. Die USA sind einer der größten Agrarproduzenten der Welt, Sojabohnen sind das wichtigste Agrarexportgut des Landes – und China wiederum ist der größte Abnehmer von Sojabohnen.

Für Peking sind die Farmer ein Hebel, um US-Präsident Trump unter Druck zu setzen. Sojabohnen werden vor allem in Staaten des mittleren Westens angebaut – in den Staaten, in denen viele von Trumps Stammwählern sitzen. Sollte China Ernst machen, werden diese Regionen, die ohnehin schon sehr zu kämpfen haben, ganz besonders leiden. Auch ohne Handelskrieg prognostizierte das Landwirtschaftsministerium, dass das Nettoeinkommen für Landwirtschaftsbetriebe 2018 auf das niedrigste Niveau seit 2006 fallen könnte. Der Handelsstreit würde dies nochmals verschärfen.

Internationale Wirtschaftsforscher warnen vor den globalen Auswirkungen durch den Handelsstreit zwischen den USA und China. Unsicherheiten können Investitionszurückhaltung auslösen und damit die gesamte Weltkonjunktur ausbremsen, sagte Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Die beiden Streithähne hatten kürzlich angemerkt, Verhandlungen zur Lösung des Problems anzustreben. Dafür ist auch noch genügend Zeit, die gegenseitig angekündigten Strafzölle treten vermutlich frühestens gegen Ende Mai in Kraft. Aussicht auf eine gütliche Einigung besteht also noch. Es darf vermutet werden, dass das derzeitige Säbelrasseln hautsächlich dazu dient, sich eine starke Verhandlungsposition zu erarbeiten. Einen Handelskrieg, so erklären beide, wollen weder China noch die USA.

Die internationalen Kapitalmärkte reagieren wie auf jede Unsicherheit nervös, was sich an den deutlichen Schwankungen der Kurse ablesen lässt. Der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel zwar um 2,0 auf 56,6 Punkte und damit zum dritten Mal in Folge, wie das Institut IHS Markit am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 3000 Betrieben mitteilte, „allerdings sollte man darüber nicht allzu besorgt sein, denn eine gewisse Normalisierung war nach dem Boom zum Jahreswechsel unausweichlich“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Grundsätzlich ist die Stimmung in der internationalen Wirtschaft gut, es spricht viel dafür, dass die Auswirkungen des Säbelrasselns nur sehr kurzfristig sind. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die guten wirtschaftlichen Daten dazu führen werden, dass sich gerade in den Bewertungen von Aktien dieses positive Umfeld widerspiegeln wird. Wir rechnen dabei auch weiterhin mit höheren Schwankungen.

Ralf Lex

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