Bereits im Mai 2014 schlug der IWF Alarm: „Die niedrigen Zinsen bedrohen die Lebensversicherungen.“ Die Chefin, Christine Lagarde, forderte seinerzeit, die Politik müsse etwas tun, um die negativen Folgen der niedrigen Zinsen für die Lebensversicherer zu dämpfen, die vor allem von den hohen Garantiezinsen herrührten.

Wie ist die Lage heute?
Die Zinsen für Bundesanleihen sind im Keller. Auch das ist für Lebensversicherer schlecht, denn sie legen ihr Kapital zumeist in Anleihen an. So können Zinsversprechen bei Abschluss eines Vertrags nicht auf Dauer gehalten werden. Die „Welt“ berichtet dazu: „Kunden, die jährlich 1.200 Euro in eine Police stecken, wurden kurz vor der Jahrtausendwende noch 115.000 Euro nach 30 Jahren in Aussicht gestellt. Gegenwärtig liegt der durchschnittliche Erwartungswert der Branche nach Map-Angaben gerade noch bei 59.560 Euro“. Doch „auch dieser Wert ist mit Vorsicht zu genießen“, sagt Map-Mann Manfred Poweleit. Es handele sich um einen hochgerechneten Erwartungswert. „Sollten die Zinsen noch länger so niedrig liegen, werden die tatsächlichen Auszahlungen noch deutlich geringer sein.“

Schon in der Vergangenheit mussten sich Anleger in Kapitallebensversicherungen (KLV) mit deutlich geringeren Auszahlungen zufriedengeben, als in den Policen ursprünglich fixiert war. Durch die Geldpolitik der EZB wurde es für die Versicherer erforderlich, immer mehr Versicherungsbedingungen zum Nachteil der Kunden zu ändern, damit die Gesellschaften überleben können. Die freiwillige Gewinnbeteiligung (Überschussanteile) wurde schon seit Langem gekürzt oder sogar ganz gestrichen. Viele Kunden haben Sorge, dass ihre Altersvorsorge in Gefahr ist.

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Immer mehr Lebensversicherer stellen das Neugeschäft mit KLV ein. Sie lassen die bestehenden auslaufen oder bieten gleich den gesamten Bestand an Versicherungsverträgen zum Verkauf an. Ein Versicherungskonzern nach dem anderen kündigt an, Millionen klassischer Lebensversicherungspolicen verkaufen zu wollen. Der Ergo-Konzern aus Düsseldorf wollte sechs Millionen Lebensversicherungen loswerden, konnte jedoch noch keinen Käufer dafür finden. Der Versicherungskonzern Generali will die deutsche Sparte Generali Leben abwickeln. Gut vier Millionen Policen mit langfristigen Zinsgarantien könnten an professionelle Abwickler verkauft werden. Axa erwägt ebenfalls einen Verkauf von Verträgen an eine sogenannte Abwicklungsplattform.

Von einem „Erdbeben in der deutschen Lebensversicherung“ spricht der Bund der Versicherten (BdV). Die Gesellschaften stehlen sich aus der Verantwortung und verkaufen der Deutschen liebstes Anlageprodukt an Firmen, die sich überwiegend in den Händen ausländischer Finanzinvestoren befinden. So gehört der deutsche Abwicklungs-Marktführer Viridium, der schon eine Million Versicherungsverträge und ein Vermögen von rund 15 Milliarden Euro verwaltet, zu 80 Prozent der englischen Beteiligungsgesellschaft Cinven. Konkurrent Frankfurter Leben ist zu 75 Prozent in Händen des chinesischen Finanzkonzerns Fosun. Dazu mischt der amerikanische Investor Athene noch kräftig auf dem Markt mit. Wenn ein Investor diese Bestände kauft, dann tut er das mit dem Ziel, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. „Das geht aber nur, wenn er den Versicherten möglichst viele Überschüsse vorenthält und in die eigene Tasche steckt“, befürchtet BdV-Chef Axel Kleinlein.

Was bedeutet dies für Lebensversicherungskunden?
Zunächst bleibt alles beim Alten. Die Lebensversicherung ist in soweit sicher, dass die garantierten Leistungen inklusive der bis jetzt zugeteilten Überschüsse unter dem neuen Versicherungsverwalter unverändert bestehen bleiben. Andernfalls würde die zuständige Aufsichtsbehörde Bafin einen Verkauf von Lebensversicherungen gar nicht genehmigen.

Versicherungskunden haben die Möglichkeit, ihren Vertrag nicht weiter zu bedienen, also beitragsfrei zu stellen, und das bis dahin angesammelte Kapital bei der jeweiligen Gesellschaft zur weiteren Verwaltung zu belassen. Zweite Möglichkeit ist, den Vertrag zu kündigen und sich das bis dahin angesparte Kapital auszahlen zu lassen. Eine Beitragsfreistellung oder auch die Kündigung ist aber nicht in jedem Fall sinnvoll. Es ist zu prüfen, welcher Versicherungsschutz gegebenenfalls dadurch entfällt und unter Umständen nicht wieder zu erlangen ist. Weiter sind Auszahlungen aus „Altverträgen“ eventuell steuerfrei oder steuerlich begünstigt. In jedem Fall sollte der Lebensversicherungskunde fachkundigen Rat einholen, bevor er hier tätig wird. Sprechen Sie also mit Ihrem Berater die für Sie beste Vorgehensweise ab.

 

Ralf Lex

 

Beitragsbild: eisenhans / fotolia