Am Sonntag stimmt Italien über eine Verfassungsreform ab. Der wichtigste Punkt ist die Beschneidung der Befugnisse des Senats, des „Bicameralismo“. Das bisherige Zweikammersystem soll de facto abgeschafft werden. Premierminister Matteo Renzi hat seine politische Zukunft an diese Entcsheidung gebunden. Beppe Grillos 5-Sterne-Bewegung indes macht sich Hoffnungen auf Neuwahlen.

Einmal mehr steht durch eine nationale Abstimmung auch die Stabilität der Eurozone auf dem Spiel. Italien ist aufgrund seiner angeschlagenen Banken, der seit 10 Jahren stagnierenden Wirtschaft und der speziellen Situation, dass breite Bevölkerungsschichten traditionell Anleihen ihrer Hausbanken halten, ein „heißer Kandidat“ auf einen EU-Austritt. Die Probleme im Land haben dabei nur wenig mit Europa zu tun: Es bestehen massive strukturelle Herausforderungen. Die Wirtschaft ist schwächer und unproduktiver als zu Beginn des damaligen Amtsantritts von Silvio Berlusconi. Einige Personen mutmaßen, dass es dabei einen Zusammenhang gibt. Für die Italiener ist das natürlich frustrierend und deutet daher auf entsprechende Wahlergebnisse am Sonntag hin.

Im Ergebnis erwarten globale Investoren eine Protestabstimmung, und die Finanzmärkte werden daraufhin keine nennenswerten Reaktionen zeigen. Da auch bei anderen politischen Großereignissen diesen Jahres die Prognostiker falsch lagen, wäre möglicherweise auch hier angezeigt, von einem gegenteiligen Wahlergebnis auszugehen … Spaß beiseite.

Es ist für die „Südländer“ eine schwere Last, den Euro als Währung zu führen. Der für Italien & Co. viel zu starke Euro spiegelt nicht die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wider und verursacht vor allem im internationalen Handel einen großen Wettbewerbsnachteil.

Da Deutschland von allen Euro-Ländern mit Abstand am meisten von der Währung profitiert, empfehlen wir Investoren bei möglicherweise entstehenden Turbulenzen dennoch gelassen zu bleiben und zufrieden auf unseren, durch den für Deutschland viel zu schwachen Euro, zunehmenden Wohlstand zu schauen.

In unseren Portfolios werden wir uns großen Schwankungen nicht entziehen können, sind jedoch unseres Erachtens nach sehr gut und auch eher defensiv aufgestellt. Bei starken Kurskorrekturen werden wir sicherlich die Liquiditätspositionen für Käufe mit Preisnachlässen nutzen.

Wir wünschen Ihnen daher ein besinnliches Adventswochenende und senden herzliche Grüße aus München.

Der Investitionsbeirat vertreten durch

Ralf Lex

 

 

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