Anmerkung der Redaktion:

Einer unserer Mandanten informierte uns jüngst über einen Beitrag des Online-Brokers „finanzen.net“ zur finanziellen Lage der USA, in dem der Autor die USA in einer Zwangslage bezüglich ihrer Schuldenobergrenze sieht und ihr schwere Probleme diagnostiziert. Zu diesem Artikel gelangen Sie hier. Nachfolgend lesen Sie dazu die Stellungnahme unseres Finanzmarktspezialisten und Leiters der Investment-Selektion Ralf Lex:

„Zunächst einmal möchte ich der Freude Ausdruck verleihen, die mich ergreift, wenn Mandanten den fachlichen Dialog mit uns suchen, sei es durch direkte Gesprächskontakte oder wie in diesem Fall durch die Weiterleitung eines Fachartikels. Herzlichen Dank. So nehme ich sehr gern Stellung dazu und helfe damit hoffentlich, gelassen auf die aktuellen Ereignisse im Weltgeschehen zu blicken.

78 mal haben die USA seit 1960 ihre Schuldenobergrenze angehoben, davon 49 Mal unter einem republikanischen Präsidenten und 29 Mal bei einem Demokraten. Man muss berücksichtigen, dass die Schuldenobergrenze eine absolute Zahl ist und damit nicht im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) steht. Auch wird die Inflation dabei nicht berücksichtigt. Sowohl die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung als auch die Steigerung der Preise, Löhne und Gehälter erfordern eine regelmäßige Anpassung der Schuldenobergrenze.

Die Rating-Agentur Fitch rechnet nicht damit, dass es zu einer Krise kommt, wenn die gesetzliche Schuldenobergrenze der USA wieder in Kraft tritt. Seit November 2015 war die Obergrenze ausgesetzt. „Wahrscheinlich wird der Kongress zeitgerecht für eine weitere Aussetzung oder für eine Erhöhung stimmen, da sich sowohl der Kongress als auch das Weiße Haus in der Hand der Republikaner befinden“, erklärte Fitch.

Die Schuldenobergrenze liegt derzeit bei knapp unter 20 Billionen US-Dollar. Nach dem Inkrafttreten kann das US-Finanzministerium den Schuldenberg zwar nicht weiter erhöhen. Allerdings kann das Ministerium auf „außergewöhnliche Maßnahmen“ zurückgreifen, um die Regierungsmaschine am Laufen zu halten. Das Congressional Budget Office (CBO) geht davon aus, dass die US-Regierung sich mit diesen Maßnahmen bis „in eine Zeit im Herbst“ über Wasser halten könnte.

Schon einige Male in den vergangenen Jahrzehnten kam es zu Äußersten. Im Rahmen eines „Government Shutdown“ wurden Beamte in den Zwangsurlaub geschickt und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Das war zuletzt im Zeitraum zwischen 30. September und 17. Oktober 2013 der Fall. 2013 kam eine Debatte auf, ob die US-Regierung womöglich Gold verkaufen könne, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen. Die gleiche Diskussion könnte nun erneut geführt werden.

Die US-Regierung hat viel Erfahrung mit der Anpassung der Schuldenobergrenze; zum Zahlungsausfall kam es bisher nie. Die Debatten um die Anhebung sind immer geprägt von politischem Kalkül; es war immer ein probates Mittel der aktuellen Regierung Steine zwischen die Füße zu werfen. Es ist nicht denkbar, dass es im Interesse des Kongresses liegt, dass die USA tatsächlich zahlungsunfähig werden. Deshalb glaube ich, dass es zu entsprechendem Säbelrasseln kommt, am Ende jedoch eine Einigung erzielt werden wird. “

München, 21.03.2017

Ralf Lex

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