Eine Jahresvorschau von Tobias Klostermann und Stefan Schrader

Das Tempo, mit dem sich unsere Welt verändert, wird im Jahr 2017 noch zunehmen. Dies sehen wir überall. Auch die Finanzmärkte und unsere Branche, die Finanzdienstleistung, bilden hier keine Ausnahme. Unsere Gedanken dazu möchten wir Ihnen hier offenlegen.

 

Der Bogen wurde überspannt.
Die Player am deutschen Finanzdienstleistungsmarkt haben in den vergangenen Jahren „erfolgreich“ das Vertrauen der Kunden verspielt. Zu lange lag das einzige Interesse sowohl großer Banken, Versicherer und Vertriebsorganisationen als auch vieler unqualifizierter „Einzelkämpfer“ bei ihren Abschlussprovisionen. Hohle Phrasen von „Beraterbanken“ oder Versicherern, die angeblich „verstanden“ haben, erzeugen mittlerweile als Echo nur noch Ablehnung. Die in diesem intransparenten und von Hochglanzbroschüren vernebelten Umfeld agierenden guten Beratungsunternehmen konnten im öffentlichen Raum kaum zuverlässig identifiziert werden.

 

Die Geduld ist zu Ende.
Das hat zunehmend Konsequenzen, nicht nur durch Gesetze zur Regulierung, sondern auch in verändertem Verbraucherverhalten. „Berater“ mit intransparenten Geschäftsmodellen und Kostenstrukturen sowie dem ausschließlichen Interesse an Produktvermittlungen werden von den Kunden zunehmend ausgemustert. 2017 werden immer mehr Kunden anderswo nach für sie tragbaren und sinnvollen Alternativen für das Finanz- und Vermögensmanagement suchen. Das war 2016 und in den Jahren davor schon so, aber der Trend verstärkt sich in diesem Jahr noch deutlich.

 

Es wird radikal entrümpelt.
Die Regulierungen ab 2013 haben dem Finanzdienstleistungsmarkt bereits eine erste kräftige Bereinigung beschert, die allerdings ausschließlich die „kleinen Sünder“, sprich kleine Beratungsunternehmen und Freischaffende traf. Von den ehemals über 100.000 in Deutschland registrierten Beratern im Bereich Investmentfonds sind aktuell nur noch 37.229 (Stand 01.01.2017) aktiv, mit der Berufszulassung für sonstige Beteiligungen und geschlossene Fonds sind es sogar nur noch rund 5.000. 2017 bringt nochmals einen starken Bereinigungsschub, weil jetzt die letzten Vermittler aussortiert werden, die auch nach zweimaligem Nachbessern ihre hohen Auflagen des Berufsrechts nach der 2013 eingeführten FinVermV nicht erfüllen. Wir erwarten, dass davon noch ca. 1/3 der verbliebenen Berater respektive Vermittler betroffen sein wird.

 

Manche sind dumm geblieben.
Banken und Versicherer haben davon zunächst profitiert, dass so viele Freischaffende vom Markt genommen wurden. Sie haben diesen Vorteil aber inzwischen auch wieder verspielt, weil sie eben nicht „verstanden“ haben. Inzwischen schließen auch Banken und Versicherer reihenweise ihre unwirtschaftlich gewordenen Vertriebsstrukturen. Wir sehen deren zukünftige Rolle mehr in der des reinen Produktanbieters; Beratung und Vertrieb werden anderswo und anders stattfinden. D. h., viele Kunden werden 2017 verstärkt elektronische Medien (Stichworte: FinTec, Apps, Social Media) für ihr Finanzmanagement nutzen oder sich genauer nach wirklich guten Beratern umschauen. Der tatsächliche Bedarf an Finanz- und Vermögensmanagement und ggf. entsprechend anspruchsvoller Beratung wird hier für den einen oder den anderen Weg sprechen. Für provisionsgesteuerte Produktverkäufer ist jedenfalls kein Bedarf mehr, Gott sei Dank.

 

Neue Berater hat das Land.
Inzwischen ist die Finanz- und Anlageberatung nach § 34f Abt. 1­3 GewO (Kapitalanlagen), § 34d GewO (Versicherung) oder auch nach § 34i GewO (Finanzierung) in Deutschland ein anspruchsvoller Beruf mit hohen Standards. Es werden jährlich die Beratungen von einem Wirtschaftsprüfer auf Einhaltung der berufsrechtlichen Vorgaben geprüft. Wer die Vorgaben nicht erfüllt, wird über kurz oder lang die berufliche Zulassung verlieren. Es wird Zeit, dass dieser Paradigmenwechsel auch ins öffentliche Bewusstsein dringt. Bringt man die Zahl der demnächst verbleibenden unabhängigen Finanz- und Anlageberater ins Verhältnis mit der Zahl der deutschen Millionäre, dann wohnt in einem Dorf mit über 600 Millionären gerade mal ein einziger Berater, der die berufsrechtlichen Anforderungen erfüllt. Den Anforderungen eines anspruchsvollen Mandanten gerecht zu werden, schaffen noch weniger. Man hat also auch als Millionär/-in nicht zwingend ungehinderten Zugang auf die Ressourcen eines guten Beraters. Bis Ende 2017 wird sich das herumsprechen.

 

Internet und Social Media:
Auch „FinTech“, der internetbasierte elektronische Vertrieb von Finanzprodukten, muss erst seine Kinderkrankheiten überwinden. In aufgeklärten Kreisen ist mittlerweile bekannt, dass Informationen in den Sozialen Medien meist weit entfernt von „wahr“ sind (aktuelle Stichworte „postfaktisch“ und „fake news“) und dass Empfehlungen von dort mit Vorsicht behandelt werden sollten. Nicht jedes „Vergleichsportal“ ist eine wirklich unabhängige Einrichtung. Jedes hat ein dynamisches Eigeninteresse jenseits von Aufklärung. Man kann froh sein, wenn sich dies auf Werbeeinnahmen beschränkt. Nicht selten hat man aber neben dem gewünschten Vergleichsangebot auch einen ungewollten Vermittlerwechsel. 2017 werden das viele schmerzvoll lernen und einige Medien sich lautstark empören – same as it ever was.

 

Die Zinsklemme wird noch schmerzhafter.
Die Zinsen werden niedrig bleiben, die Inflationsrate wird 2017 aber auf ca. 2 % steigen. So beliefe sich bei 2 % Inflation der Kaufkraftverlust eines angesparten Vermögens in 10 Jahren bereits auf ca. -18 %, in 20 Jahren auf -35 %, wenn nicht gegengesteuert wird. Wir sehen das in unserem Hause als eine ernste Entwicklung, die im Verlauf des aktuellen Jahres viele mit Sorge erfüllen wird.

Allerdings haben wir in diesem Zusammenhang auch eine gute Nachricht: Die klassische Vermögensstruktur deutscher Anleger baut stark einseitig auf Lösungen auf, die in der Vergangenheit viel Sicherheit bei ausreichendem Kosten- und Inflationsausgleich boten. Diese Lösungen waren seinerzeit angemessen und haben meist auch funktioniert. Sie erfüllen aber heute im Zuge der anhaltenden Niedrigzinsphase nicht mehr ihren Zweck des Vermögenserhalts. Sie dominieren dennoch vielfach in den Portfolien. Deutsche Vermögen haben im europäischen Vergleich die mit Abstand niedrigste Quote an Aktieninvestments und Unternehmensbeteiligungen. D. h. also andererseits, deutsche Vermögen haben enormes Entwicklungspotential. Wenn man sie strategisch anders gewichtet, ist ein vollständiger Kosten- und Inflationsausgleich realisierbar.

Mandanten, die von uns im Vermögensmanagement beraten und betreut werden, sind davon wohl weniger betroffen als andere. Wir haben auch uneingeschränkt Verständnis dafür, dass es schwerfällt, grundsätzliche Überzeugungen bezüglich Kapitalanlagen abzulegen und sich neuen Ideen zu öffnen. Dennoch möchte ich es nicht unerwähnt lassen: Sollten Sie entschieden mehr gegen den Kaufkraftverlust Ihres Vermögens unternehmen wollen oder jemanden mit diesem Ziel kennen, legen wir Ihnen nahe, mit uns darüber zu sprechen. Das wäre ein guter Anfang.

 

Wird 2017 ein Krisenjahr?
Der nächste Finanzmarkt-Crash liegt 2017 durchaus im Rahmen des Möglichen. Experten sprechen bereits wieder von „Blasenbildung“ an einigen Aktien- und Immobilienmärkten. Auch wir sehen stellenweise ausreichend Krisenpotential. Allerdings sehen wir mindestens ebenso viele Märkte, an denen die Chancen bei Weitem überwiegen. Es ist bspw. im Immobilienmarkt keineswegs mehr alles Gold, was glänzt. Die Preise sind teilweise bereits weit gestiegen. Man muss genauer hingucken und verstärkt langfristige demografische und vor allem wirtschaftliche Trends standortbezogen berücksichtigen. Doch es gelingt uns nach wie vor, lohnenswerte Objekte zu identifizieren.

Unser konsequenter Analyse- und Selektionsprozess (ASP) leistet hier sowohl im Immobilienbereich als auch bei Sachwert- und bei Fondsinvestments gute Arbeit. Unsere sachlich-nüchterne Analyse der Trends, der Märkte, der Anbieter und ihrer Investmentkonzepte liefert uns von Medienvorurteilen und Emotionen freie Entscheidungsgrundlagen. Auch wir werden mal überrascht, zugegeben, aber unterm Strich stimmt die Bilanz für unsere Anleger. 2017 sehen wir vorsichtig optimistisch mit ausreichend Chancen. Entscheidend für gute Anlageerfolge sind die Qualität und die Streuung der getätigten Investments. Die „sichersten“ Verluste hingegen macht man immer noch, wenn man nicht investiert.

 

Spaß beiseite … Wir hoffen, es war der eine oder andere anregende Gedanke für Sie dabei. Machen Sie’s gut!